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Kitty King comments – Zu Besuch beim 4. “Mega”-Novelle-Shooting im Briese Studio in Hamburg

Donnerstag, 27. Mai 2010 16:59

 

Es geht auch anders, Frau Klum!

Zu Besuch beim „Mega“-Novelle-Shooting  in Hamburg

In der Model-Soap „Germany’s Next Top Model“ mussten die Kandidatinnen in diesem Jahr bei ihrem ersten Fototermin mit Wachsfiguren flirten. Man hatte ihnen gesagt, dass sie Robbie Williams und Johnny Depp treffen würden; aber dann waren es doch nur deren wächserne Ebenbilder bei „Mme Tussaud’s“. Also: enttäuschte Hoffnungen!

Ihre erste Modenschau mussten die Mädchen in einem fahrenden ICE absolvieren, eine wackelige Angelegenheit, und in der Woche darauf konnte man sehen, wie Kandidatin Hanna an frei schwingenden Ringen über dem Strand baumelte. Die Installation, ein hohes Gerüst mit Seilen, an denen die Ringe befestigt waren, erinnerte entfernt an ein Schafott. Kein Wunder, dass Hanna weinte, weil sie sich nicht mehr halten konnte; worauf Pro Sieben-Fotograf Kristian Schuller ihr zurief: „Stell’ Dir einfach vor, Du würdest an einer Klippe hängen. Dann hältst Du länger durch!“ – Das Model über dem Abgrund, und der Fotograf knipst die Szene? Was für sonderbare Phantasien hat der kleine Mann mit Hut.

Speziell auch die Folge, in der den Mädchen zuerst eine Spinne auf die Schulter gesetzt und dann eine Schlange um den Hals gehängt wurde. Als Kandidatin Laura zu weinen anfing und erklärte, dass sie eine Schlangenphobie habe, erließ Klum ihr die Aufgabe mit der Begründung, dass sie ja „keine Tierquälerin“ sei. – Was soll man da noch sagen? „Mega“-Chef Ted Linow begegnet dem Thema mit Ironie und Nüchternheit: „Ich finde es beachtlich, dass Heidi Klum mit soviel Mittelmaß so berühmt werden konnte.“ Die Sendung sei „eine Sekunde zu platt.“ –  „Es geht doch auch anders, Frau Klum!“

 

Allerdings: Im Studio Briese in Hamburg traten Anfang März sieben neue „Mega“-Models vor die Kamera der Fotografin Anna-Rosa-Krau und zeigten, wie wunderschön und wie gut bei der Arbeit sie schon sind. Im Studio herrschte eine gelöste Atmosphäre. Keine Tränen, keine Model-Richterin, kein schreiender Fotograf. Stattdessen: Friede, Freude, Franzbrötchen (…die gab es zum Frühstück). Es wurde geplaudert und gescherzt; es wurden Adressen ausgetauscht und neue Freundschaften geschlossen. Regisseur Willi Schumann interviewte die Models vor laufender Kamera. Kurzum: Eine fröhliche Veranstaltung!

Ergänzend zu den Filmen will auch ich die Neuen kurz vorstellen. Die Reihenfolge der Texte ist rein zufällig entstanden. Es gibt keine interne Rangliste bei „Mega“. Alle Newcomer werden gleich und gleichsam freundlich behandelt. Sollen die Model-Juroren im Fernsehen doch blöken und bellen; beim „Mega-Nachwuchs-Shooting“ bellte höchstens mal Mary, der Hund! 

Sophie Nickel aus Bad Oldesloe wird öfters mit Natalie Portman verglichen, obwohl sie größer als die Schauspielerin ist. Sie geht in die zehnte Klasse, hat ein Pflegepferd, das Cäsar heißt, einen Freund, mit dem sie am Abend vor dem Shooting auf einer Party war, und große Freude am Tanzen. Ein Bewegungstalent, auch vor der Kamera. Bereits mit sieben Jahren sagte sie zu ihrer Mutter, dass sie gern als Model arbeiten würde. Bei der Berliner Modewoche im Januar diesen Jahres, als sie gerade bei „Mega“ angefangen hatte, wurde sie gleich für mehrere Schauen gebucht: Lena Hoschek, Penkov, C.Neeon, Arrondissement Aq1, Stefan Eckert. Das Modeln hält sie für „die perfekte Ergänzung des Kleinstadtlebens“. Nach dem Abitur möchte sie als Model ins Ausland gehen und danach Psychologie studieren. Die 16-Jährige plant  gern lange im voraus und wirkt bei allem, was sie sagt, schon sehr erwachsen und reflektiert.

Kein Wunder, dass Gerrit Kramer sie mag, denn der 17-Jährige ist das genaue Gegenteil von ihr, und Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Wie Sophie, geht auch er in die zehnte Klasse, allerdings schon zum zweiten Mal. Aber Ähnliches ist bekanntlich auch Einstein und anderen Berühmtheiten passiert…

Gerrit spielt in der zweiten Hamburger Liga Handball, trainiert drei- bis fünfmal pro Woche und hat sich beim Sport „schon jedes Band am Fuß irgendwann mal gerissen.“ Er lacht gern über sich selbst und besitzt neben dem Talent als Model auch Entertainer-Qualitäten. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Schule ihn langweilt, aber dieses Jahr will er die zehnte Klasse unbedingt schaffen. Die Lehrer sollten ihn einfach durchwinken; dieser junge Mann braucht Zeit und Raum für seine spontanen Ideen und für seinen neuen Beruf!

Als er letztes Jahr in Hamburg/Bergedorf mit einer Schale Pommes Frites in der Hand als Model auf der Straße entdeckt wurde, dachte er, dass die „versteckte Kamera“ hinter ihm her sei. Inzwischen hat er sein anfängliches Misstrauen abgelegt und bereits für verschiedene Katalogkunden und Zeitschriften gearbeitet, darunter die „Tush“, die italienische „Grazia“ und die chinesische Ausgabe von „Harper’s Bazaar.“ Mit Hilfe seiner ersten Model-Gagen hat er, wie er so schön sagt, „sein Luxusniveau erhöht“ und sich einen i-pod, eine Flatscreen und einen DVD-Player mit fünf Lautsprechern und einem Subwoofer gekauft.

 

Hannah Kern steckt gerade im Abitur-Stress und bereitet sich zu Hause in Solingen auf Klausurfragen zu Shakespeare, Strategien des U.N.-Peacekeepings und Problemen der Globalisierung vor. Obwohl sie erst vor einem Monat angefangen hat zu modeln, wird sie schon für Jobs gebucht. Ihr nächster Auftrag (für die „In Style“) liegt bereits vor. Dass sie über Facebook ans Modeln gekommen ist, überrascht wenig: So ein außergewöhnliches Gesicht sticht natürlich heraus aus der Masse der Fotos im Netz. Hannah sieht der jungen Brooke Shields ein bisschen ähnlich und mag den Jeanslook, den Stylist Christof Post für das Shooting zusammengestellt hat – wie er sagt, „ein Go-and-See-Vintage-Look, kampagnenartig, mit viel Denim; die Models sollen angezogen-unangezogen aussehen.“ – Auch ein wenig ungezogen? Immerhin steht Hannah oben ohne vor der Kamera. Die Hände vor der Brust schützen vor noch tieferen Einblicken. Ihr Vater, von Beruf Richter, wäre sicherlich erstaunt… Und die Mutter erst: „Sie ist immer viel aufgeregter als ich, wenn die Agentur anruft“, sagt Hannah. Sie selbst bleibt gelassen; als ob sie nie etwas anderes getan hätte als zu modeln.

Dagegen kann Gwendolyn Haller aus Winterthur in der Schweiz ihre Aufregung nicht ganz verbergen; sie ist aber auch erst sehr kurz dabei. Frierend sitzt sie auf einer Couch und wartet auf ihren ersten Einsatz an diesem Tag. Das Modeln hält sie für „eine gute Therapie gegen die Schüchternheit.“ In der Nacht hat sie ein paar Stunden wach gelegen und sich Gedanken gemacht; auch wegen der anstehenden Matura-Prüfungen. In der Schule hat die 19-Jährige (in der Schweiz dauert die Schule länger als bei uns) gerade ein Semester übersprungen. Sie interessiert sich für physikalische Chemie und möchte später mal in der Krebsforschung arbeiten. Aber erstmal will sie modeln – übrigens ihr persönliches Geheimnis. Sie habe, sagt sie, niemandem mitgeteilt, dass sie hier sei, nur ihrer Familie, denn sie möchte auf keinen Fall Aufsehen erregen. Letzten Sommer hat sie am Flughafen von Zürich als Putzkraft gearbeitet. Mit leiser Stimme erzählt sie, dass ihr diese Arbeit „total viel Spaß gemacht und sie tolle Sachen von den Flughafen-Boutiquen geschenkt bekommen habe: Toblerone, einen Lacoste-Gürtel, das Parfum ,Hypnose’.“ Gwendolyn ist eines dieser Mädchen, die gar nicht wissen, wie toll sie sind, so  feinsinnig, hübsch und intelligent;  na, gut, jetzt weiß sie es…

Auch Caroline Soltau war bei ihrem ersten Test-Shooting „total aufgeregt“ und wunderte sich über den Helm, der aus ihren langen blonden Haaren geflochten wurde. Beim zweiten Fototermin wurden ihre Augenbrauen gefärbt, was sie ebenso gewöhnungsbedürftig fand. Die 17-Jährige besucht in Hamburg/Volksdorf das Walddörfer Gymnasium – „keine Waldorfschule“, wie sie betont, „wir tanzen nicht unsere Namen!“  Sie ist erst seit einem Monat bei „Mega“ und konnte sich, bevor sie im Restaurant „Vappiano“ von einem Model-Scout angesprochen wurde, „nicht vorstellen, dass mich mal jemand fotografieren möchte.“ In der Schule belegt sie das sogenannte „Zukunftsprofil“ mit den Fächern Biologie, Geographie und Religion. Das Modeln kommt zum Profil ihrer Zukunftsplanung nun neu dazu: Die ersten Jobs werden sicherlich nicht lange auf sich warten lassen; bei diesen langen Beinen und diesem Gesicht! Sie ist sehr beeindruckt von Anna-Rosa Krau, der Fotografin, weil sie so „hilfsbereit, verständnisvoll und cool“ sei.

Sieben Models an einem Tag und ein Gruppenfoto: Anna-Rosa hat zu tun! Sie erläutert den Mädchen geduldig, was sie von ihnen will, macht auch mal die gewünschte Pose vor, bespricht mit den „Mega“-Bookern die Bilder, fotografiert im Stehen, im Liegen und aus allen möglichen anderen Blickwinkeln. Gerade auch von ihrer Arbeit hängen Erfolg oder Misserfolg der Newcomer ab. Die wichtigste Frau des Tages wirbelt unermüdlich durch das Studio und gibt alles! – Und keine Rede vom Muskelkater im rechten Arm, den sie sich am Vorabend beim Kegeln geholt hat… Unterstützt wird sie von ihren Assistenten und von Nick Assfalg, der sich gemeinsam mit Giovanni Rivas und Sandra Schütz um die Frisuren und das Make-up der Models kümmert. Das Make-up sei heute „ganz easy“, sagt er. „Die Models haben ja alle eine super-Haut, die wir dann nur noch ein bißchen pimpen. So, wie wir sie ins Studio schicken, könnten sie einem auch auf der Straße begegnen; sie sehen nur noch einen Tick besser aus.“ Behutsam legt er das Haar von Philipp Ehl zurecht, der so noch mehr an James Dean erinnert.

Phillip arbeitete neben der Schule in der Werbeagentur „Hillert & Co“, bevor er im vergangenen Dezember auf dem Marienplatz in München von einer „Mega“-Bookerin angesprochen wurde. Davor hatte er zwar – „wie fast jeder in München“ – mal für die „Bravo Girl“ als Model gearbeitet, aber der erste über „Mega“ gebuchte Job (für die Zeitschrift „Achtung“) sei dann schon „in einer anderen Liga“ gewesen. Phillip strahlt über das ganze Gesicht, weil er frisch verliebt ist. Er wohnt in Glonn nahe München und organisiert im Jugendclub Partys für die Landjugend. Außerdem treibt er viel Sport und nimmt sogar an Triathlon-Wettbewerben teil. Er habe, sagt er, „eine geile Jugend auf dem Land.“ – Wie „geil“ wird sein Leben erst werden, wenn er in New York und Paris angekommen ist!?

Frederik Thomsen ist jetzt schon ein Großstadt-Nomade, denn am Ende jeder Woche zieht er innerhalb von Berlin um: Er wohnt abwechselnd bei seinem Vater in Kreuzberg und bei seiner Mutter in Charlottenburg; dieses Hin und Her ist natürlich eine gute Übung für jemanden, der im Model-Business Fuß fassen möchte. Der 16-Jährige sieht so aus, als ob er einer „Burberry“-Kampagne entsprungen wäre. Frederik besucht gern Minimal Techno-Events, kommt aber leider in viele Clubs noch nicht ’rein, insbesondere nicht ins „Berghain“. Stattdessen geht er dann manchmal ins Theater, für das er sich ebenfalls begeistert. Von seiner ersten Gage würde er seinen Eltern gern einen Teil des Geldes zurückzahlen, das sie in sein elektronisches Schlagzeug investiert haben. Frederik spielt in der Band „Ain’t got three“ (der Bandname „New Model Army“ war leider schon vergeben…), die im vergangenen Jahr beim „Emergenza“-Bandwettbewerb den ersten Preis in Berlin gewann, weshalb die Gruppe demnächst im ZDF-Morgenmagazin auftreten wird.

 

Rockstar oder Model? Frederik kann sich gut vorstellen, einfach beides zu werden. Das ist das Schöne an der Arbeit mit den Newcomern: Dass sie alles noch vor sich haben und alles wollen! Am Ende des Tages wird das Gruppenfoto aufgenommen. Dass die Models dabei durch das Bild laufen, ist natürlich symbolisch zu sehen: Diese Sieben, das wünsche ich ihnen sehr, werden mit Leichtigkeit durchstarten!

P.S.

Frau Klum, hätten Sie nicht Lust, sich einmal anzuschauen, wie menschenfreundlich man hoffnungsvolle Teenager behandeln kann!?

1. Novelle-Shooting

 

2. Novelle-Shooting

 

 

3. Novelle-Shooting

Thema: Kitty King comments |

Dolce & Gabbana Show Herbst/Winter 2010 Mailand

Dienstag, 19. Januar 2010 8:44

Dolce & Gabbana Show Herbst/Winter 2010 Mailand

Dolce & Gabbana Show Herbst/Winter 2010 Mailand - Timo RademannFotograf: Andrew Thomas
Timo Rademann

Lino_Meiries_600x800

Photo by Luca Cannonieri
and Michele Morosi
Gorunway.com

Lino Meiries Backstage

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Thema: Allgemein |

Ted Linow im Interview

Freitag, 18. Dezember 2009 9:47

„Wir tragen Verantwortung!“
Ted Linow im Interview
Wenn es um das Wohl eines ihrer Models geht, fliegen Ted Linow und Wolfhard Münter schon mal um die halbe Welt, um  nach dem Rechten zu sehen; oder sie verzichten auf eine Buchung oder legen sich mit Größen aus der Modeszene an. Eine Agentur mit Prinzipien: Models sind hier nicht nur Models, sondern junge Menschen, die betreut werden müssen. Zum Auftakt des neuen Mega Blogs sprach Kerstin König mit Ted Linow über sein Leben mit „Mega Models“.
Model-Agenturen gibt es viele. Und Models gar wie Sand am Meer. Was zeichnet „Mega Models“ aus?
Ted: Unser Name steht für Kontinuität: Uns gibt es seit 19 Jahren, eine ganz schön lange Zeit. – Von Anfang an haben wir großen Wert darauf gelegt, nicht nur eine Filiale zu sein, die Models ausländischer Agenturen in Deutschland vermarktet, sondern unsere eigenen Modelle zu entdecken und sie im internationalen Geschäft an die Spitze zu führen. Das ist uns, glaube ich, auch ganz gut gelungen; denken wir mal an Christina Kruse, die wir damals entdeckt haben und die immer noch großartig im Geschäft ist. An Teresa Lourenco und  andere. – Es war uns von Beginn an wichtig, international mitzuspielen; selbst wenn wir zugunsten der Karriereplanung mal in Deutschland auf eine Buchung verzichten müssen. Wir denken stets mehr an die Karriere eines Models als ans Porte-Monnaie.
Aber es geht im Model-Business doch ums Geld!
Ted: Schon. Aber uns geht es in erster Linie um junge Menschen. Wir wollen keine „Kleenex-Models“ produzieren, die, einmal benutzt, sofort wieder weggeworfen werden. Man darf jungen Menschen nicht ihre Zeit stehlen. Booker tragen eine große Verantwortung. Wir begleiten Models auf dem Weg nach oben, sind aber natürlich auch für sie da, wenn es mal nicht so gut läuft. Dann freut man sich umso mehr, wenn der Trend irgendwann wieder umschlägt…
Welches Mädchen befindet sich gerade auf dem Weg nach oben?
Ted: Wir haben gleich mehrere in unserer Abteilung „Nouvelle“, in die wir seit einem halben Jahr viel Geld und Zeit investieren. Am 6. Dezember wurden die Neuen gerade mal wieder fotografiert – von Armin Morbach, also eine hochwertige Produktion. Einige Brillianten sind dabei. Wir sitzen wie die Katze vor’m Mauseloch und warten, bis sie mit der Schule fertig sind.
Aber Ted, ein Fotomodell braucht doch keinen Schulabschluss!
Ted: Doch, doch: Ein Schulabschluss als Grundlage ist wichtig.
Aber was, wenn einem Schulmädchen lukrative Modeljobs winken?
Ted: Dann müssen die Kunden warten. Wir vertreten jetzt zum Beispiel Toni Garrn, also ein Mädchen, das weltweit äußerst begehrt ist. Aber ein Schulabbruch stand nie zur Debatte. Im Gegenteil: Hier hängt ihr Stundenplan an der Wand. Sie ist erst siebzehn und macht gerade Abitur. Die Jobs werden nach dem Stundenplan ausgerichtet, nicht umgekehrt – im Klartext:  „Nein“ zum Vogue-Fototermin und „nein“ zur Parfum-Kampagne, wenn in der Schule eine Klausur ansteht. Sie arbeitet nur in der schulfreien Zeit: Gerade ist sie übrigens auf dem deutschen Vogue-Cover zu sehen.
Abitur? Aber es heißt doch immer, Models seien ungebildet und dumm…
Ted: Unsinn! Ein wirklich dummes Mädchen wird auch auf einem Foto dumm aussehen. Models brauchen dieses gewisse Etwas, eine besondere Aura: Zur Persönlichkeit gehört auch Verstand. Man wird durch’s Modeln übrigens auch nicht dümmer, sondern reicher an Lebenserfahrung – und auf dem Konto.
Und die Model-Karriere eröffnet dann neue Möglichkeiten?
Ted:  In vielen Fällen ist das so: Christina Kruse ist heute nicht nur als Model, sondern auch als Fotografin erfolgreich. Steven Meisel hat sie gerade für die italienische Vogue fotografiert, sie selbst hat als Fotografin aber bereits eigene Ausstellungen, ist außerdem Mutter und rundum zufrieden mit ihrem Leben. Wir beraten sie immer noch in allen möglichen Belangen. Oder Susanne Hoppe: Damals habe ich sie als Mädchen mit dicker Nickelbrille zu uns geholt. Niemand hat so recht an sie geglaubt, aber dann war sie plötzlich eines der Lieblingsmodels von Armani. Und heute ist sie Moderatorin bei RTL Nord, meine Kontakte waren da ganz nützlich. Vor kurzem hat sie übrigens geheiratet. Sie meldet sich regelmäßig bei uns und lässt uns an ihrem Leben teilhaben.
Und ich bin ja auch wieder da. Als Journalistin, wie zu erwarten…
Ted: Natürlich. Es bestehen oft enge Kontakte. Und wenn wir in einem Model eine Begabung erkennen, die über das Modeln hinausgeht, fördern wir auch sie.
Wie geht es eigentlich Mimi Müller-Westernhagen?
Ted: Sie kam aus London zu uns. Sie ist ja ein ganz besonderes Mädchen und als Model gut im Geschäft. Aber auch mit ihrer Punk-Band habe ich ihr Auftritte verschafft. Bei einem Burda-Event zum Beispiel, bei dem die Herrschaften dann nicht schlecht über ihre Musik gestaunt haben. Und das war nur der Anfang: Von Mimi, das darf ich schon mal verraten, wird in allernächster Zukunft noch einiges zu hören sein…
Talente entdecken und fördern, das klingt nach einem Traumberuf. Aber was ist mit den Problemfällen?
Ted: Sie müssen auch versorgt werden: Wir gehen gemeinsam durch dick und dünn!
Darf man das auch wörtlich verstehen?
Ted: Mir ist einmal in meinem Leben passiert, dass eines meiner Models in kurzer Zeit extrem abgemagert ist: Ein Schock für mich, bei dem mir klar wurde, was für eine große Verantwortung ich trage. Ich habe das Mädchen sofort aus dem Verkehr gezogen, mit den Eltern gesprochen, einen Psychologen und Ernährungsberater eingeschaltet. Wir haben die Situation dann gut in den Griff bekommen.
Aber wieso? Ein ständiger Vorwurf lautet doch: Models müssten magersüchtig sein…
Ted: So sehen es die Medien, das ist aber natürlich ein großer Irrtum. Ein derart kranker Mensch kann nicht als Model arbeiten. Wir achten auf die Gesundheit unserer Mädchen und greifen ein, wenn alarmierende Anzeichen sichtbar werden.
Die Model-Agentur als Model-Care-Station?
Ted: Nein, natürlich nicht. Aber man gibt sein Bestes, um die jungen Leute in ihrer Entwicklung zu unterstützen. In der Zuschauerpost zu meiner neuen Sendung „Model für einen Tag“ lese ich dann, wie „charmant und väterlich“ ich im Umgang mit den Kandidaten sei. – Naja, wenigstens schreiben sie nicht „charmant und großväterlich“!
Nicht so schnell, Ted, Du greifst meinen Fragen vor: Was ist das für eine Sendung?
Ted: Eine Produktion der Constantin Entertainment GmbH, jeden Mittwochabend auf Pro Sieben bei „taff“ zu sehen. Die Einschaltquoten sind sensationell. Eigentlich bräuchte ich also keine Werbung zu machen…
Nur zu: Worum geht es?
Ted: Zwei Fotografen müssen innerhalb von drei bis vier Stunden auf der Straße in einer deutschen Großstadt „New Faces“ entdecken. Die beiden Mädchen werden dann gestylt, fotografiert und von wechselnden Jury-Mitgliedern und mir, sagen wir, beraten.
Nicht kritisiert?
Ted: Am liebsten sähen die Leute vom Fernsehen mich als strengen Juror, aber das muss ja nicht unbedingt sein…
Du bist auch im Charity-Bereich tätig. Welches Projekt liegt Dir besonders am Herzen?
Ted: Schon seit zehn Jahren veranstalte ich gemeinsam mit Nane Mundt einmal jährlich das „Event Prominent“, zuletzt vor ein paar Wochen. Wir platzen langsam aus allen Nähten und mussten in diesem Jahr den größten Hamburger Ballsaal im Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee mieten, um genügend Platz für alle Gäste zu haben. 40 Prominente sind diesmal bei der Modenschau mitgelaufen. Im Anschluss an das Défilé gibt es dann immer noch ein Festessen, bei dem Künstler aufreten. Die Eintrittskarten kosten 180 Euro, der Erlös geht zur einen Hälfte an das Hospiz „Leuchtfeuer“ und zur anderen an den Verein „Dunkelziffer“, der sich um sexuell missbrauchte Kinder kümmert. 130.000 bis 140.000 Euro sind  in diesem Jahr und zwischen 700.000 und 800.000 Euro innerhalb der gesamten zehn Jahre zusammengekommen.
Nicht schlecht! – Wie viele seid Ihr eigentlich inzwischen bei „Mega?“
Ted: Die Buchhaltung mitgezählt, sind wir neunzehn Personen. Das Mutterschiff ist hier in Hamburg; daneben haben wir unsere Berliner Dépendance. Als deutsche Model-Agentur muss man heutzutage auch in Berlin vertreten sein. Die großen Fotografen, Mario Testino zum Beispiel, zieht es ja auch in die Hauptstadt. Und die großen internationalen Models rufen „Schokolade!“ und freuen sich manchmal mehr über einen unbezahlten Job in Berlin als über einen bezahlten anderswo. Berlin beflügelt die Kreativität. Berlin ist ein bisschen wie New York. Mir persönlich sogar um einiges lieber. In New York wird einem schwindelig.
Berlin für schöne Fotos. Und aus dem übrigen Deutschland kommt das Geld…
Ted: So ungefähr, wobei wir aber auch ausländische Kunden haben.
Kümmert Ihr Euch um die Kunden ebenso intensiv wie um die Models?
Ted: Die Kundenpflege ist sehr wichtig. Neulich haben wir eine besondere Veranstaltung realisiert, für die wir 70 bis 80 Modelle aus aller Welt nach Hamburg eingeflogen haben. In der Agentur warteten einige wichtige Kunden;  sie konnten ein Model nach dem anderen kennenlernen, was für sie natürlich praktischer ist, als einzelne mit ihren Büchern oder gar nur die Bücher zu begutachten … Ansonsten arbeiten wir natürlich, so wie alle, mit Mailings, Go-and-Sees, Castings und so weiter.
Und den ganzen Tag lang klingeln die Telefone!
Ted: Ja, klar!
Und wenn dann auch noch Mary bellt, Dein Hund …
Ted: … und dann auch noch Models vorbeischauen in der Agentur …
Ja, Ted, was dann?
Ted: Dann weiß ich, dass alles in Ordnung ist, alles bestens!
Alles bestens. Und vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte am 4.12.2009 Kerstin König, freie Journalistin und in den 90er Jahren „Mega Model“.

„Wir tragen Verantwortung!“
Ted Linow im Interview

Wenn es um das Wohl eines ihrer Models geht, fliegen Ted Linow und Wolfhard Münter schon mal um die halbe Welt, um  nach dem Rechten zu sehen; oder sie verzichten auf eine Buchung oder legen sich mit Größen aus der Modeszene an. Eine Agentur mit Prinzipien: Models sind hier nicht nur Models, sondern junge Menschen, die betreut werden müssen. Zum Auftakt des neuen Mega Blogs sprach Kerstin König mit Ted Linow über sein Leben mit „Mega Models“.

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