INTRODUCING: Julius Pfister
Mittwoch, 29. Juni 2011 13:55
Mit Tunnelblick voraus!
Mega-Model Julius Pfister in Mailand und Paris
Julius Pfister besucht die neunte Klasse einer Realschule in Würzburg. Er ist erst sechzehn, erst seit drei Monaten
Model und lernt gerade das internationale Designeralphabet kennen – praktischerweise dadurch, dass die Modehäuser ihn einfliegen lassen und sich ihm persönlich vorstellen. Während der Modewochen in Mailand und Paris fragten Prada, Louis Vuitton, Calvin Klein und Yves Saint Laurent ihn exklusiv an. Doch wie es das Wörtchen „exklusiv“ nun einmal mit sich bringt, kann selbst ein Julius (zumal ohne Cäsar) nicht überall gleichzeitig regieren. So lief er am Ende exklusiv für Givenchy in Paris. Er ging lässig über den Laufsteg, so wie er daheim in Würzburg über den Pausenhof schlendert und den Mädchen vermutlich den Kopf verdreht. Es war seine erste Modenschau überhaupt. Natürlich sei er aufgeregt gewesen, sagt er, aber „da muss man durch. Ich habe eine Art Tunnelblick aufgesetzt und mir gedacht: Einfach nur laufen!“ Nun häufen sich die Julius-Anfragen in der Agentur: Michalsky-Show oder noch ein schönes Editorial? Weder noch, denn Julius muss zur Schule gehen. Erst in sechs Wochen beginnen in Bayern die Sommerferien.
Vor einigen Monaten dachte Julius noch daran, nach der Schule eventuell zur Polizei zu gehen. Aber dann schickte seine Schwester einige Facebook-Fotos von ihm zu Mega nach Hamburg. Am 18. April stellte er sich dort vor, und am 11. Mai wurde er bereits auf der internationalen Model-Website models.com als „Model of the week“ gelistet. Manches von dem, was seitdem passierte, ging ein bisschen zu schnell für ihn. Jedenfalls konnte er sich nicht alles merken. Fragt man ihn nach seinem ersten Job, hält er kurz inne: „Ich weiß es nicht mehr. So etwas ist schnell vergessen.“ Doch dann erinnert er sich wieder: „Es war ein Job in der Schweiz, und der Fotograf ging auf die siebzig zu.“ Walter Pfeiffer wurde sicherlich schon mal euphorischer beschrieben, etwa von Sir Elton John, der seine Fotografien sammelt. Aber Julius ist von Grund auf geerdet. Die große Show um Namen und Reputationen interessiert ihn nicht: „Backstage bei Givenchy waren auch ein paar berühmte Models. Aber ich weiß nicht, welche es waren.“
Seiner neuen Umgebung begegnet er mit Verwunderung. Bei seinem zweiten
Shooting „waren die Klamotten relativ dünn“, erzählt er, „aber sie galten dennoch als Winterkleidung.“ Und vor der Givenchy-Modenschau erstaunte ihn, dass gleich „vier Leute gleichzeitig“ an ihm herumzupften, für Maniküre, Pediküre, Haare und Make-Up: Lauter Dinge, die in seinem bisherigen Leben überhaupt keine Rolle gespielt haben. Er mache sich nicht viel aus seinem Aussehen, sagt er, und gibt auch gleich ein Beispiel: „Wenn ich morgens aufstehe und die Haare abstehen, tue ich Wasser drauf.“ – Schnelle Wege, pragmatische Lösungen, das ist seine Art. Bislang hat er sich nach der Schule im Sportverein als Boxer ausgetobt. Spezialgebiet: Street Fight. Um aber nicht plötzlich mit blauem Auge oder gebrochener Nase vor der Kamera zu stehen, hat er die Boxhandschuhe beiseite gelegt. Warum auch kämpfen? Kommen, sehen, siegen, wie einst sein berühmter Namensvetter: Diese Chance bietet sich ihm. Jetzt fehlen nur noch ein paar weitere Lorbeeren.
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