Kitty King comments – “Kein Tag ist wie der andere”
Mittwoch, 27. Juli 2011 14:17
„Kein Tag ist wie der andere.“
Mega-Bookerin Nadja im Interview
Beim Thema Modelagenturen geht es immer nur um die Models. Um ihre strahlende Schönheit, um Sixpacks oder Size Zero. Dabei sind ihre Booker mindestens ebenso wichtig. Sie füllen die Porte-Monnaies der Models, bauen deren Karrieren auf und steuern täglich junge Menschen um den Globus. Sie sind das Reisebüro und der psychologische Notdienst in einem, Manager und beste Freunde zugleich. Sie bringen Models und Kunden zusammen und arbeiten manchmal bis in die Nacht hinein – wegen der Zeitverschiebung, oder weil diverse Buchungen mal wieder ganz dringend sind. Seit Anfang Juli verstärkt Bookerin Nadja Reiche das Berliner Team der Mega Model Agency. Neulich traf ich sie für ein Interview.
K.K.: Du hast vor einem Monat bei Mega angefangen – genau zur Fashion Week, einer der stressigsten Wochen des Jahres. Wie hast Du die ersten Tage erlebt?
Nadja: Als eine schöne Herausforderung. Bei der Modewoche herrscht ja immer annähernd der Ausnahmezustand, weil alles super-schnell gehen muss. Noch schneller als sonst. Wir hatten siebzig Models gleichzeitig in der Stadt. Als Booker möchte man sich um alle gleichzeitig und gleich intensiv kümmern. Das hatte auch Vorteile für mich: In kürzester Zeit lernte ich alle Models kennen und konnte ein Gespür für die Agentur entwickeln.
Wie kam es dazu, dass Du Bookerin geworden bist?
Durch Zufall. Das Stellenangebot hing am schwarzen Brett in der Uni aus. Nach dem Abitur in Deutschland habe ich am Chelsea College of Art and Design studiert. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich nicht doch lieber gleich ins Arbeitsleben einsteigen möchte, statt noch jahrelang zu zeichnen und zu studieren. Da fiel mir der Aushang ein. Und so wurde ich Bookerin in einer großen Londoner Modelagentur.
Du hast schon weltweit in Agenturen gearbeitet. Welche Stationen waren bislang die wichtigsten für Dich?
Das kann ich so einfach nicht sagen, man lernt überall dazu. Die Agentur in London war eine harte, aber gute Schule für mich. Ich war neun Jahre lang dort und habe gelernt, für meine Bookings und Models zu kämpfen. An Orten, wie London oder New York, ist das Arbeitstempo besonders hoch. Man muss immer mindestens fünf Dinge gleichzeitig tun. Entweder, man kommt damit zurecht, oder man kann gehen: Take it or leave it…
Unterscheiden sich Modelagenturen stark voneinander?
In den Modemetropolen geht es rasanter zu als beispielsweise in Kapstadt. Dort habe ich als Bookerin mehrere Male überwintert, denn ich hasse die kalten Winter in Europa. Das Schöne an Kapstadt ist, dass die Kunden alle vor Ort produzieren und man mit ihnen viel Zeit verbringen kann. Man trifft sich, geht abends gemeinsam aus oder unternimmt mal eine Segeltour. Die Stimmung ist entspannt. Im Winter sind fast alle da, Katalogkunden und auch die Magazine: Alle zieht es in die Sonne!
Wo hast Du noch gearbeitet?
Unter anderem in Miami und in Paris. Da konnte ich die französische Seite der Mode erleben, also das ganz große Kino…
Findest Du es nicht anstrengend, so oft umzuziehen?
Im Gegenteil, ich liebe Ortswechsel. Inzwischen habe ich auch fast überall Freunde. Wohin ich auch komme: Es ist sind Menschen da, denen ich vertrauen kann. Wenn ich frei habe, reise ich ebenfalls viel. Letztes Jahr war ich in China, Tibet, Thailand und in der Karibik. Ehrlich gesagt, kann ich gar nicht genug kriegen vom Reisen.
Welche Eigenschaften braucht ein guter Booker?
Das sind einige … Organisationstalent, Ruhe, Geduld; er muss einfühlsam sein und Interesse an der Modebranche haben, das ist ganz wichtig. Sonst hält man den Beruf auf Dauer nicht aus… Und schnell muss man sein, immer auf zack.
Wie funktioniert das eigentlich: ein Model verbuchen?
Wenn ein Kunde anruft und ein Model buchen möchte, vergeben wir eine erste Option. Bis ein zweiter Kunde für den gleichen Zeitraum anruft – zweite Option. In den anderen Agenturen des Models gehen natürlich auch Anfragen ein. Mit den ausländischen Bookern müssen wir uns daher abstimmen; auch deshalb sind wir ständig am Telefon. Optionen sind Reservierungen aus Sicht des Kunden. Eine zweite Option setzt sich nur dann durch, wenn die erste abgesagt wurde, vom Kunden oder von der Agentur. Das System ermöglicht es, dass die Models viel arbeiten. Es ist also gut für sie, auch wenn es für stressige Situationen sorgen kann. Oft werden aus Optionen erst in letzter Sekunde Buchungen. Beispielsweise habe ich gerade eben ein Mädchen verbucht, das bereits jetzt in New York auf dem Weg zum Flughafen ist. So schnell geht das bei uns. Schneller als bei manch einer Last-Minute-Reise.
Hast Du mal ein „New Face“ betreut, aus dem dann ein Star wurde? Hat das Model sich durch den Erfolg verändert?
Ich habe beispielsweise Giselle Bündchen betreut, als sie mit dem Modeln gerade angefangen hat. Oder Alessandra Ambrosio, Adriana Lima, Lily Donaldson. Manche Mädchen heben ab. Aber viele bleiben sich auch treu. Giselle Bündchen ist ein gutes Beispiel: Sie ist immer wahnsinnig nett und professionell. Ihr hat der Erfolg kein bisschen geschadet, im Gegenteil.
Wie würdest Du die Beziehung zwischen Models und Bookern beschreiben?
Zu den „New Faces“ ist sie besonders eng: Die Models kennen die Branche noch nicht und verlassen sich zu hundert Prozent auf uns Booker. Es ist wichtig, ihnen den Weg zu weisen und Verständnis für sie zu haben. Wir tragen eine große Verantwortung für sie. Später, wenn sie das Business kennen, sind sie vielleicht sogar froh, wenn der Booker mal nicht anruft… Aber wir bei Mega stehen stets in Kontakt zu unseren Models; egal, wo sie gerade sind, in der gleichen Stadt oder in Australien.
Wie kann man sich den idealen Kunden vorstellen?
(… lachend): Der ideale Kunde ist der, der nur bei mir anruft – und sonst bei keiner Agentur.
Was fasziniert Dich an Deinem Beruf?
Dass kein Tag wie der andere ist.
Mit welchen drei Worten würdest Du Deinen ersten Monat in Berlin beschreiben?
Lass’ mich überlegen (…): Verregnet. Inspirierend. Happy!
Dann wünsche ich Dir, dass dieses Glück von Dauer ist. Schön, dass Du nun bei Mega bist. Und vielen lieben Dank für das Gespräch.
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