Kitty King comments: Zur Sitzung nach New York

Mega-Model Lino Meiries im Portrait

 

Wenn Mega-Model Lino Meiries in New York ist, wohnt er bei seinem Onkel in der Upper Westside.  „Und wenn ich von einem Casting komme“, erzählt Lino, „fragt Onkel Volker mich: Wie war die Sitzung?“ Er verstehe das Business nicht so ganz. Kein Wunder. Onkel Volker leitet die historische Abteilung der Columbia University in New York. Der Professor lebt von der Geschichtsschreibung, Lino Meiries dagegen im Hier und Jetzt: „Ich merke mir meine Jobs nicht und sammele auch die Bilder nicht, die von mir erscheinen.“

Umso wichtiger ist es für ihn, mit Mega eine Agentur gefunden zu haben, der er voll und ganz vertraut  und die sich um seine Model-Karriere professionell kümmert, damit er einen freien Kopf zum Arbeiten hat. Vertrauen ist wichtig zwischen einer Agentur und dem Model, weil es im täglichen Geschäft schließlich um viel Geld geht.

Wie sein Vater, der auf Teneriffa lebt und Reiseführer schreibt, ist Lino am liebsten unterwegs. Nach einem Wochenende in Berlin steht in dieser Woche die deutsche Provinz auf dem Reiseplan: Lino fährt nach Bremen und Münster, um alte Freunde zu besuchen. Danach geht es in den Familienurlaub nach Sardinien, dann zu den Schauen nach New York. Spannende Semesterferien. Neben dem Modeln studiert der 23-Jährige in Hamburg Sozialökonomie und schreibt gerade an einer Hausarbeit über Asylrecht – genau zum richtigen Zeitpunkt, kurz bevor er möglicherweise bald selbst Asyl beantragen wird… bei Onkel Volker, der sich auf interessante Verhandlungen gefasst machen kann: „Ein halbes Jahr New York wäre nicht schlecht“, meint Lino.

Mega hat ihn in New York bei einer der besten Agenturen für Männer untergebracht. Sie hat im Moment x-Anfragen für ihn und kann kaum erwarten, dass Lino mal wieder vorbeischaut.

Als Model entdeckt wurde er auf klassische Weise: beim Jobben als Barmann. Anfangs war er skeptisch: „Heutzutage ist ja fast jeder Model.“ Aber irgendwann siegte dann doch die Neugier. Lino war erst drei Tage lang Model, als Calvin Klein ihn nach New York einfliegen ließ. Für ausreichend Wirbel um seine Person war erstmal gesorgt. Er wurde für Boss und diverse Magazine fotografiert, darunter das V-Magazine, Tush, Kinky, Menswear, GQ, Dressed to kill und Urban. An einem Tag saß er für eine Gin-Werbung in Barcelona, am nächsten flog er zu einem Shooting nach Stockholm. „Ein völlig neues Leben“, sagt er, „irgendwann musste ich meinem Vater gestehen, dass ich ganz gut verdiene und er mich nicht mehr zu unterstützen braucht.“ – Endlich erwachsen; oder jedenfalls fast: Die Nacht vor dem Interview hat er im strömenden Regen verbracht, tanzend im Kiki Blofeld an der Spree. „Was mir an Berlin am besten gefällt, sind die Partys“, sagt er, kurz bevor er in den Zug nach Hamburg steigt, um den Grillabend bei seiner Oma noch rechtzeitig zu erreichen.

Im Januar, bei den Schauen in Mailand, lief er für so unterschiedliche Marken wie Zegna und Dolce&Gabbana. Danach beendete er in Hamburg sein Grundstudium, arbeitete im Mai in New York und war im Juli bei der Berliner Modewoche in den Schauen von Hugo Boss und Michalsky zu sehen. Bei jedem seiner Auftritte fällt auf, wie männlich, interessant und hinreißend schön er aussieht. Er hat einen makellosen Körper, hohe Wangenknochen und ein ausdrucksstarkes Gesicht. Auf manchen Fotos sieht er wie ein junger Dichter aus, empfindsam und zerbrechlich, einsam und klug. Aber auch den jungen Rebellen oder Geschäftsmann, Popper oder Freak nimmt man ihm ab. Es macht ihm Spaß, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Im vergangenen Jahr nahm er an einem Projekt des Hamburger Schauspielhauses teil und spielte in einem Stück mit, in dem Texte von Goethe, Kafka und Rilke zitiert wurden. „Solche Sachen lese ich gern“, sagt er, „aber meistens fehlt mir die Zeit dazu.“

Das Modeln ist ein Beruf, den Lino ernst nimmt. „Für manche“, sagt er, „ist das Modeln nur ein großer Spaß“, aber wer für Mega arbeite, müsse schon eine professionelle Haltung haben. Als er für Dolce&Gabbana in Mailand gebucht war, kam er in den Genuss eines Laufsteg-Trainings. Das Designer-Duo hatte für die Proben zu ihrer Jubiläumsschau einen Coach aus den USA einfliegen lassen. „Die Frau“, sagt Lino, „hat geschrien, weil die Models so unmotiviert herum hingen.“ Er aber strengte sich an, fand die Proben „äußerst inspirierend“ und freute sich über die Entwicklung seiner Karriere. Es war die Schau zum 20. Geburtstag von Dolce&Gabbana – ein modehistorischer Moment. Wäre Onkel Volker da gewesen, hätte er gesehen, dass sein Neffe – auf seine Art – ebenfalls Geschichte schreibt. Und dass Castings, anders als manch eine Sitzung, zu wunderbaren Ergebnissen führen!

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Datum: Freitag, 27. August 2010 16:04
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