Kitty King comments: Von der Schulbank zu Chanel

Von der Schulbank zu Chanel

Mega-Model Hanne Brüning im Interview

Beim Michalsky-Fitting fragt Hanne Brüning höflich, ob sie sich ein Wasser vom Catering-Tisch nehmen dürfe. Später fährt sie mit der S-Bahn zum Hackeschen Markt, um eine Freundin zu treffen. „Wie wäre es mit einem Taxi?“, frage ich sie. „Nicht nötig“, antwortet Hanne. Sie ist höflich und bescheiden im Auftreten, ein zartes Wesen, das plötzlich inmitten der wundersamen Welt der Mode steht. Bei den Haute Couture-Schauen Anfang Juli in Paris wurde sie von Chanel gebucht und zog alle Blicke auf sich. Jetzt rufen die Vogue und Konsorten bei Mega an und fragen nach ihr…

Während ich Hanne zum Fitting für die Michalsky-Modenschau begleite, bemerke ich, was für ein außergewöhnliches Mädchen sie ist, das sich Zeit nimmt für einzelne Momente, Gedanken und Menschen, statt dem rasanten Tempo einer Modewoche zu verfallen. Sie denkt genau über das nach, was sie sagt, und greift auch mal nach Stift und Papier, um eine Antwort mit Hilfe einer kleinen Zeichnung zu präzisieren. Hanne kann sehr gut zeichnen; sie liebt die bildenden Künste ebenso wie das Theater. Später möchte sie vielleicht mal Kulturmanagement studieren, aber erst später. Denn jetzt ist erstmal ihre Model-Karriere an der Reihe, die sie voller Neugier und Tatendrang angeht.

 

K.K.: Eben bist Du für Rena Lange gelaufen. Wie war es?

Hanne Brüning: Sehr schön, die Atmosphäre war ruhig und entspannt, mir gefiel von meinen Outfits besonders ein luftiges Chiffonkleid. Die Farbe ging von dunkelblauen Tönen über in hellere Blautöne und dann in Weiß. Ein „rüschenhaftes“ Kleid mit Pailletten – sehr schön! Die Themen der Kollektion, Sylt, Sonne, Urlaub, konnte man ihm sehr gut ansehen.

Wie fühlst Du Dich, bevor Du auf den Laufsteg gehst?

Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, daher sind die Proben sehr wichtig für mich. Bei der Chanel-Schau fühlte ich mich sehr gut aufgehoben. Aber trotzdem hatte ich meine roten Hände, die ich dann immer in die Luft halte, damit sie ihre normale Farbe zurückbekommen. Das sieht bestimmt komisch aus, muss aber sein… 

Bei der Rena Lange-Schau waren die Schuhe ein kleines Problem. Die Absätze waren sehr hoch, und da meine Schuhe mir auch noch zu groß waren, retteten mich eigentlich nur die Riemchen ums Fußgelenk herum. 

Du bist wirklich sehr gut gelaufen, sehr elegant – hinein in Dein neues Leben nach dem Abitur. Wie ist das denn so gelaufen?

Ganz gut, ich bin mit meiner Abschlussnote „gut“ zufrieden. Englisch, mein einer Leistungskurs, lag mir nie so ganz. Aber in Kunst, dem anderen Leistungsfach, konnte ich prima punkten. Die schriftlichen Prüfungen liegen jetzt schon zweieinhalb Monate zurück. Mein Zeugnis habe ich aber erst vor drei Wochen bekommen. Die Abi-Zeit war natürlich anstrengend. Ständig musste ich meinen Freunden absagen, um Zeit zum Lernen zu haben. Aber es waren dennoch schöne Monate; die Abschlussfeiern an der Schule haben natürlich Spaß gemacht! 

Wie hast Du den Sprung in die Modewelt geschafft?

Eine Freundin meiner Mutter hat mir geholfen, an meine ersten Probeaufnahmen zu kommen, mit denen ich mich dann bei Mega beworben habe. Jetzt war ich gerade zwei Wochen lang in Paris…

Und? Was hast Du erlebt?

So viele Dinge auf einmal… Ich habe mir die ganze Stadt angesehen, den Eiffelturm, Sacré Cœur, Montmartre, den Louvre, Notre-Dame… Ich war ja zum ersten Mal in Paris. Gearbeitet habe ich natürlich auch und in einem Model-Appartment gewohnt, in der Nähe des Eiffelturms, also in einer sehr schönen Gegend. Fünf Mädchen in einer WG, da war immer was los… Wenn man zum Arbeiten in eine neue Stadt kommt, sieht man auch Ecken, die Touristen nicht zu Gesicht bekommen; das hat mir gefallen.

 

Du bist die Haute Couture-Schau für Chanel gelaufen. Wie war das?

Die Schau hat mich sehr beeindruckt. Was für einen Aufwand so eine Veranstaltung mit sich bringt: All die Hairstylisten, Visagisten, ein riesiges Buffet, und wir Models haben Taschen voller Chanel-Kosmetikprodukte geschenkt bekommen. Ich frage mich, was so eine Schau insgesamt kostet. Auf dem Laufsteg stand ein haushoher goldener Löwe, er wurde innerhalb von drei Monaten gebaut – ein ganz schön langer Zeitraum, wenn man bedenkt, wie kurz der Löwe nur zu sehen war. Die Kleider waren aus ganz teuren Stoffen und mit Brokat, Perlen und Spitzen besetzt. Ich trug ein ganz tolles Kleid aus glänzender Seide, gerade geschnitten, und darüber eine kurzärmelige Jacke. Beides wunderschön.

 

Und wie war die Begegnung mit Karl Lagerfeld?

Sehr angenehm, ich habe ihn beim Fitting gesehen, und er war sehr nett. Bei der Schau kam er im Finale auf den Laufsteg. Wir Models haben ihn wie ein Ameisenhaufen umgeben; hoffentlich konnte ihn das Publikum dennoch gut sehen!

 

Aber Hanne: Hauptsache, wir konnten Dich sehen!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute weiterhin!

 

Video Chanel

http://www.chanel.com/fashion/2#2-fall-winter-2010-haute-couture-chanel-fashion-show-19,0

Autor: admin
Datum: Freitag, 16. Juli 2010 17:01
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