Kitty King comments: Prinzessinnen-Zeit Teresa Lourenco

 

Teresa Lourenço im Portrait. 

 

„Als ich das Foto von ihr sah, wusste ich gleich, dass sie großartig ist.“
(John Galliano über Teresa Lourenço)

 

Man kann sich nur mit ihr freuen: Teresa Cija Lourenço erwartet mit 29 Jahren ihr erstes Kind. Stichtag ist der 15. Juni. Die Schwangerschaft, sagt sie, sei das Beste, was ihr jemals passiert sei. – Das will etwas heißen, denn Teresa sind schon eine Menge guter Dinge im Leben widerfahren; man denke nur an jenen Kuss damals, der weltweit im Fernsehen zu sehen war  … Doch dazu später!

 

Momentan stehen andere Dinge an. Entspannt und glücklich erzählt Teresa, dass sie, die bereits mit 14 Jahren angefangen hat, als Model zu arbeiten, sich nun erstmals eine längere Auszeit gönne und das Leben in vollen Zügen genieße. Endlich habe sie mal Zeit, um normale Dinge zu tun. Momentan kümmere sie sich um die „Baby-Shower“. – „Du installierst also eigenhändig eine kleine Dusche für den Nachwuchs?“, frage ich ungläubig nach und versuche, mir Teresa, dieses zarte Geschöpf, als schwangere Installateurin im Blaumann vorzustellen. Da muss sie erstmal herzlich lachen und klärt mich auf: Baby-Shower heißt in Amerika ein Fest, das werdende Mütter für ihre Freundinnen veranstalten, um deren Geschenke und gute Wünsche für die Geburt entgegenzunehmen. – Hätte mich auch gewundert, wenn aus Teresa eine Heimwerkerin geworden wäre, ausgerechnet aus ihr, die schon sehr früh, als sie noch ein Teenager war und eine Zahnspange trug, den Luxus erleben durfte, von John Gallianos Chauffeur in Paris am Flughafen abgeholt zu werden. Solche Erfahrungen müssen doch prägen; was allerdings nicht heißt, dass Teresa nicht auch andere Realitäten kennen würde…

Als Vinnie Lourenço mit der damals neun Jahre alten Teresa und dem zwei Jahre jüngeren Kevin aus Trinidad und Tobago nach Deutschland einwanderte, musste sie hart arbeiten, um ihre beiden Kinder und sich durchzubringen: „Sie hat alles für uns getan und ist meine beste Freundin“, sagt Teresa. Schon damals, als sie noch zur Grundschule ging, hatte sie den Traum, später mal Model zu werden. Als sie endlich in der 7. Klasse war, absolvierte sie ein Praktikum in einer Model-Agentur. Natürlich fiel allen gleich auf, dass die Praktikantin weniger hinter den Kopierer als vielmehr vor die Kamera gehörte. Teresa (der Name kommt aus dem Griechischen und wird mit „Jägerin“, „Wilde“ übersetzt) sieht ja ein bisschen wie eine Indianerin aus – mit ihren langen schwarzen Haaren und ihrer hellbraun glänzenden Haut.

Als sie sich kurz darauf bei „Mega“ als Model vorstellte, schüchtern und entschlossen zugleich, erschien sie den Bookern noch ein wenig zu jung für die Branche. – Ein Masterplan musste her, eine Sonderlösung. Und so folgten einige Jahre, in denen Teresa einerseits zur Schule ging und andererseits, stets in Begleitung eines Bookers oder ihrer Mutter, ganze Arbeite leistete. Erste Modenschau: John Galliano. Erste Kampagne: Dior. Ihre Schulkameradinnen pinnten „Bravo“-Starschnitte an die Wand im Kinderzimmer. Teresa wurde von Star-Fotografen abgelichtet: „Bravo!“, schwärmte nicht nur John Galliano. Sie erinnert sich noch gut daran, eine Zeitlang „die kleine Prinzessin“ des Designers gewesen und entsprechend behandelt worden zu sein. Ihre Tochter will sie Zaria nennen; das bedeutet „Prinzessin“. Ihr Freund Anderson Noel kann also nur von Glück reden; wird er demnächst doch gleich mit zwei Prinzessinnen unter einem Dach zusammen leben.

1997 wurde Teresa in Paris bei der Preisverleihung „Les Trophées de la Mode“ zur Model-Newcomerin des Jahres gekürt. Das war endgültig der internationale Durchbruch, und die Schule konnte sie anschließend nur noch mit Hilfe von Privatlehrern beenden. Sie arbeitete mit großen Fotografen zusammen, u.a. mit Peter Lindbergh, Karl Lagerfeld, Arthur Elgort, Ruven Afanador, Gilles Bensimon, Michael Thompson, und erschien in und auf den schönsten Magazinen – internationalen Ausgaben von „Vogue“, „Harper’s Bazaar“, „Elle“, „Marie Claire“, „Cosmopolitan“. Auch für die amerikanische Zeitschriften „Sports Illustrated“ und „W“ wurde sie fotografiert. Von all den großen Modenschauen ganz zu schweigen, in denen sie über Jahre mitlief. Oder den Kampagnen für Tommy Hilfiger, La Perla, Mac, Escada, Gap, Victoria’s Secret (Accessories), Yves Saint Laurent, Palmers. Ihr besonderes Glück war und ist, dass sie sowohl in der „High Fashion“ als auch im Bereich der „Money-Jobs“ äußerst beliebt ist, dass also praktisch alle Kunden sie mögen und gern mit ihr zusammenarbeiten. Würde Bruder Kevin auf ihrer Website www.TeresaLourenco.net nicht all ihre Erfolge dokumentieren, wäre es selbst für Teresa schwierig, nicht den Überblick zu verlieren.

In den Jahren 2004 bis 2009 war sie das Gesicht der Firma „Apart“ und durfte ihre eigene Jeanslinie und das Parfum “Teresa with love” auf den Markt bringen, dessen fruchtige Note sie selbst aus verschiedenen Düften zusammenstellte. „Apart“ ist eine Unterfirma des „Otto-Versands“, in dem früher auch ihre Mutter als einfache Angestellte tätig war. So schließt sich ein Kreis: Beide Frauen mit dem gleichen Arbeitgeber.  Um für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen, hat Teresa der Mutter längst ein Haus geschenkt. Teresa und Vinnie – a winning team!

Erst kürzlich hat Teresa sich eine Wohnung im New Yorker Finanzdistrikt gekauft. Sie wohnt dort gemeinsam mit ihrem Freund im eleganten Armani Casa im achten Stock: Italienischer Purismus für Menschen, die es an der Wallstreet oder eben auf dem Laufsteg sehr weit gebracht haben. Hamburg-Eimsbüttel, wo sie zur Schule ging, hat sie längst weit hinter sich gelassen. Aber immerhin ist sie dem Stadtteil insofern treu geblieben, als sie immer noch gern HipHop und Rap hört – Musikstile, die sie dort kennenlernte. Als sie vor Jahren mal bei einem  Konzert von Puff Daddy in der ersten Reihe saß, fing er gleich Feuer und rappte spontan über die fremde Schöne vor der Bühne. Aber erst später lernten sie sich eher zufällig kennen und wurden „nur Freunde!“, wie Teresa betont. Zu oft wurde ihr schon eine Liaison mit dem Musiker angedichtet, vielleicht auch, weil er sich auf Fotos – etwa in der Werbekampagne zu seinem Parfum „Unforgivable“ – nur allzu gern mit ihr schmückt. Und natürlich, weil die Presse solche Geschichten liebt. Als Teresa im Jahr 2000 in dem Video zum Song „Again“ von Lenny Kravitz mitspielte, wollten plötzlich alle von ihr wissen, ob sie mit ihm zusammen sei. (Um diese Frage endgültig zu klären: Nein, war sie nicht!) In dem Video spielt Teresa eine Kellnerin, in die der Musiker sich auf Anhieb verliebt. Er fragt sich im Song, ob er die Schöne noch jemals wiedersehen werde. „Der Kuss“, sagt Teresa, „war laut Drehbuch überhaupt nicht geplant. Ich wusste nichts davon. Plötzlich hat Lenny einfach wild drauf los geküsst.“ Sie sei damals „sehr verlegen“ gewesen, was man den Videobildern aber gar nicht ansieht.

Und wenn Tochter Zaria später mal in ähnlicher Weise im Fernsehen zu sehen wäre? „Warum nicht?“, fragt Teresa. Recht hat sie: Richtige Prinzessinnen dürfen auch mal einen Frosch küssen!