Beiträge vom 11. März 2010

Kitty King comments: Florentine Pabst im Interview exklusiv für Mega

Donnerstag, 11. März 2010 9:50

„Helmut Newton hat mir Präzision beigebracht.“

Florentine Pabst im Interview

 

Als ich Florentine Pabst zum ersten Mal traf, war sie Modechefin der deutschen Marie Claire und ich als eines von mehreren Models für einen Job in Paris gebucht. Wir Models trugen bunte Chanel-Kleider, und der Fotograf John Scarisbrick sprang beim Arbeiten wie ein Flummi auf und ab, während er laute Techno-Musik hörte. Es war einer meiner ersten Fototermine, und diese gewaltige Geräuschkulisse hallte noch am nächsten Tag in meinen Ohren nach.

Vermutlich, genau weiß ich es nicht mehr, wird Florentine Pabst die Eigenart des Fotografen ähnlich geduldig hingenommen haben wie meine Fragen im nachstehenden Interview: Sie nimmt sich Zeit für ihre Mitmenschen; sie hat ein offenes Ohr für andere, was in der Modebranche – nicht zuletzt wegen der Hektik – nicht selbstverständlich ist. Sie ist großzügig, wenn sie erzählt, verstellt sich nicht, sondern gibt und gibt. Je länger ich mit ihr spreche, desto stärker habe ich den Eindruck, dass Florentine Pabst, von der Süddeutschen Zeitung kürzlich als „Deutschlands wichtigste Frau in der Mode“ bezeichnet, noch viel mehr ist: Eine Poetin, einfühlsam und phantasievoll im Umgang mit Menschen wie auch mit der Sprache – ihrer eigenen ebenso wie mit der Sprache der Mode.

In den siebziger Jahren Moderedakteurin beim Stern, in den achtziger Jahren für die deutschen Ausgaben der Vogue und Harper’s Bazaar tätig, leitete sie von 1990 bis 2003 das Moderessort der deutschen Marie Claire. Seitdem arbeitet sie weltweit als freie Stylistin und hat im vergangenen Herbst Peter Lindbergh bei der Jubiläumsausgabe der deutschen Vogue zur Seite gestanden. Ihre Freude am kreativen Ausdruck lässt sie außerdem immer wieder nach Stift und Papier greifen: Eine Künstlerin eben, die in der Lage ist, überall Schönes zu entdecken; und sei es beim Anblick von Alltagskleidung. 

Ein Gespräch über Mode und Stil im Wandel der Zeit.

 

Sie schreiben gerade ein Buch. Wie lautet der erste Satz? 

Florentine Pabst: Das Buch beginnt mit einem Dialog zwischen meiner Mutter und mir, in dem ich ihr mitteile, dass ich schwanger bin. Daraufhin fragt sie mich: „Warum lachst Du? Findest Du das etwa witzig?“ Den ganz genauen Wortlaut kann ich Ihnen jetzt nicht aus dem Stegreif sagen.

Verfassen Sie Ihre Autobiographie?

Nein, ich beschreibe nur einen Lebensabschnitt, und zwar die Jahre von 1968 bis 1970. Ursprünglich sollte es vor allem um die Beziehung zwischen Mutter [...]

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