Kitty King comments: “Du kannst nicht wie ein Koala zum Job gehen!”

 

Jana Flötotto im Portrait

 

Greenich Village, New York, Samstagmorgen um acht: Jana Flötotto sieht aus wie frisch aus dem Ei gepellt – ungeschminkt, in einem blau-weiß geringelten Shirt, die Haare am Hinterkopf lose festgesteckt, holt sie sich noch rasch einen Tee und nimmt dann Platz am heimischen Computer, um eine Runde mit mir zu skypen. Sie hat große blaue Augen, lacht viel und spricht schnell. Kaum eine Pause zwischen den Sätzen zu machen, verpflichtet zu absoluter Ehrlichkeit. Das weiß auch sie selbst. Sie sei „ein ehrliches Gänseblümchen“ und „hasse es, wenn Leute unnötig auftrumpfen wollen.“

Bei ihr reicht es eben, wenn sie auch nur annähernd erzählt, was sie gerade so treibt, um andere zu beeindrucken: Buchungen auf der ganzen Welt, und außerdem besitzt sie einen eigenen Modeladen im westfälischen Bielefeld, in dem sie sich zwischen zwei Modeljobs auch mal selbst hinter die Theke stellt. Ihre Fingernägel sind rot lackiert, sie streicht sich ein paar Strähnen aus dem Gesicht, nimmt einen großen Schluck Tee und denkt laut über ihr Model-Leben nach: „Limousinen und Partys, da fühle ich mich schnell bedrängt. Ein Model steht ja schon genug im Mittelpunkt.“ Das sei „etwas anstrengend manchmal.“ – Als sie Anfang  vergangenen Sommers mit dem Geiger David Garrett gesichtet wurde, bedrängten Reporter der Klatschpresse sogleich die ganze Familie. Daraus hat sie gelernt und übt sich nun in äußerster Diskretion, wenn es um ihren neuen Freund geht, einen Bielefelder Fußballprofi, nach dessen Name ich so schnell gar nicht fragen kann – bei dem Sprechtempo, das sie vorlegt. So ungezwungen und herzlich ist dabei ihre Art, dass ich sie ohnehin nicht unterbrechen mag. Warum auch? Läuft ja alles nach Plan bei ihr… 

Schon als Schülerin hat Jana angefangen, als Model zu arbeiten – mit dem Ergebnis, dass der Schulleiter sie irgendwann nicht mehr grüßte, obwohl sie eine gute Schülerin war. Das Lernen sei ihr leicht gefallen, sagt sie. Gleich nach dem Abitur im Frühjahr 2004 spielte sie in dem ARD-Dreiteiler „Alina“ mit. Die Rolle wurde ihr angeboten, nachdem sie ihre Schwester zum Casting begleitet hatte. Im November desselben Jahres reiste sie gemeinsam mit ihrem Booker nach Paris; und gleich die erste Agentur brachte den erwünschten Erfolg: Sie wurde für eine Kampagne von Alberta Ferretti gebucht und kurz darauf für „Abercrombie & Fitch“ – ein Shooting in Florida, an das sie sich noch bestens erinnert: Da habe sie dann in der Hitze gestanden und den Fotografen, Bruce Weber, zwischen all seinen Helfern und Helfershelfern zuerst gar nicht gesehen. „Plötzlich aber“, sagt sie, „stand er vor mir und sah mit seinem Rauschebart aus wie der Weihnachtsmann“ – inmitten von exotischen Tieren, Zebras, Giraffen, Schlangen, mit denen die Models fotografiert wurden. Sie selbst sollte mit einer Riesenschildkröte abgelichtet werden, die sich aber offenbar vor dem Rauschebart fürchtete und abtauchte. „So wurde ich“, seufzt Jana, „vor dem leeren Tierkäfig fotografiert und habe das Bild bis heute nicht gesehen!“ Dann lacht sie wieder. Pleiten und Missgeschickte zählen zu ihren Lieblingsthemen: In Berlin sei sie neulich fast vom Laufsteg gefallen – aber eben nur fast!  In Thailand habe sie mal im Bikini vor der Kamera gestanden und dabei zugesehen, wie ein Äffchen sich eines der Missoni-Kleider des Teams vom Baum geangelt und damit aus dem Staub gemacht habe. Und neulich, an Weihnachten, habe sie ausgesehen wie das Kuckucks-Kind der Familie: Rabenschwarz, während die anderen doch alle hellhäutig seien. Da war sie gerade von einem Guadeloupe-Trip  zurückgekehrt; und sie werde halt sehr schnell braun … 

Schildkröten, Äffchen, rabenschwarz, ein Kuckuckskind: Tiere tauchen in Janas Berichten immer wieder auf, auch dann, wenn sie sagt: „Du kannst nicht wie ein Koala zum Job gehen!“, womit sie meint, dass es unprofessionell sei, mit Augenrändern im Studio zu erscheinen. „Ein bisschen Disziplin muss schon sein!“ Jana bringt reichlich davon mit: Während der Schulzeit war sie Turnier-Reiterin und hat auch Ballett getanzt. Wenn sie zu Hause in Bielefeld ist, geht sie immer noch gern reiten. Zu ihrer Großfamilie (fünf Kinder!) zählt auch ein Hund. Sie mag Tiere und kleine Kinder und möchte später eine eigene Familie gründen, aber erst später; sie ist ja gerade mal fünfundzwanzig.

Im Moment geht die Karriere vor: Zuletzt wurde Jana für die amerikanische „Cosmopolitan“ fotografiert, eine Beauty-Strecke. Sie wünscht sich, möglichst bald eine große Beauty-Kampagne an Land zu ziehen. Von dem Geld würde sie sich eine eigene Wohnung kaufen; in ihrem Jugendzimmer in Bielefeld fühlt sie sich nach eigenem Bekunden „zwischen all den Souvenirs aus aller Welt allmählich wie Alice im Wunderland!“ In New York teilt sie sich ein Apartment mit Model-Freundin Kate,  die wirklich sehr nett sei, aber „leider nicht Kate Moss.“ Gemeinsam ziehen sie manchmal um die Häuser, aber vor allem möchte Jana das kulturelle Angebot in New York wahrnehmen, die Museen, Galerien und natürlich die Kollektionen der Designer, bei denen sie mitunter auch für ihren eigenen Laden bestellt.

„D-Squared“, D&G, Ralph Lauren, Schumacher, Kris van Asche und andere. Mit ihrem Concept Store „Label Kitchen“ in der Bielefelder Altstadt gibt Jana Flötotto den bodenständigen Westfalen die Möglichkeit, auf Jetsetter zu machen. Dass sie in Deutschland ihre eigene Boutique betreibt, hängt sie in New York nicht an die große Glocke: Bloß nicht unnötig auftrumpfen wollen! Warum auch? – Die Türe öffnet sich wie von selbst, Mitbewohnerin Kate schaut kurz herein. Schnell noch ein herzlicher Gruß nach Deutschland, und dann verabschiedet Jana sich überraschend kurz und bündig. Man kann sich sicher sein, dass sie an diesem Tag noch vieles vorhat!

Autor: admin
Datum: Mittwoch, 24. Februar 2010 10:45
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